Wo sind die guten E-Mail-Clients?

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Nov 132016
 

Im Moment bin ich auf der Suche nach einem anständigen E-Mail-Client unter Windows. Ich bin mit Thunderbird noch nie warm geworden und halte ihn für überladen, instabil, unintuitiv und unzuverlässig. Outlook 2013 kostet mich gerade den letzten Nerv beim Support eines weitgehend unerfahrenen Computernutzers. Quasi unbedienbar, dazu ein Ressourcenfresser sondergleichen. Wenn man eine Einstellung sucht, vergeht mal gern eine Stunde. Die Suchfunktion kann sich nicht entscheiden, ob sie was findet oder nicht – und diese Entscheidung dauert lang.

Und dann stößt man beim googeln auf Beiträge wie diesen – erster Satz: „Microsofts Outlook gilt als das beste E-Mail-Programm.“ Äh – bei wem? Bei denen, die nur Lotus Notes (heißt jetzt IBM Notes, sieht aber kein Stück besser aus) als Alternative kennen? Und dann werden dort doch tatsächlich Windows Live Mail und Windows Mail als Alternative genannt. Und natürlich Thunderbird. Ansonsten: nix. Wenn man schon keinen Bock auf Recherche hat, sollte man sich doch solche Artikel gleich sparen.

Jetzt könnte man sagen – tja, was liest Du auch IT-Artikel in der WELT? Ich Dummerchen. Mal bei den Experten von CHIP stattdessen nachlesen. Großartig, diese Top 5. Wenigstens bei heise Downloads gibt es in der E-Mail-Rubrik ein paar Kandidaten.

Aber was sind denn nun die Alternativen? Pegasus Mail, das ich schon unter Windows 3.11 nicht leiden mochte? Opera Mail? Foxmail? Mailbird? eM Client, der in der freien Variante ganze zwei E-Mail-Accounts verwalten kann? Columba – immerhin in Java programmiert und Open Source, d.h. ich könnte realistischerweise eigene Anpassungen vornehmen – dessen letztes Release aus 2007 stammt? Ich ertappe mich kurz beim Gedanken, mutt oder elm unter Cygwin zu installieren. Wenn schon Retro, dann richtig.

Oder was anderes Radikales – mein aus RISC OS-Zeiten liebgewonnenes Messenger Pro in der Windows-Variante kaufen? Hatte ich schon mal in 2002, als Mark Sawle intellegit gründete und Gemini als Messenger Pro-Portierung auf Windows veröffentlichte. Bin ich unter Windows nie mit warm geworden, warum weiß ich eigentlich nicht. Inzwischen ist R-Comp auch der Vertrieb für die Windows-Version, und damit ist es traditionell fast unmöglich, Näheres über die Software herauszufinden, ohne direkt Kontakt aufzunehmen oder die Software einfach zu kaufen. Einfach kaufen? Tja, die R-Comp-Shopseite ist legendär…man kommt über den „Order now!“-Knopf auf eine selten hässliche Zwischenseite, wo einem erklärt wird, dass man doch besser die !Shop-Applikation verwenden soll. Gilt natürlich nur für RISC OS, und der arme Windows-Nutzer clickt vor lauter Verwirrung auf den „secure ordering site“-Link. Ist man clever genug, findet man hier raus, dass es offenbar eine „basic“-Version und eine „full“-Version gibt. Was mag wohl der Unterschied zwischen beiden sein? Auch konsequent: Preise nur in UKP.

Immerhin: für drei Screenshots und ein paar warme Worte hat es gereicht. Liebe Freunde von der Insel: das wird dieser Software (höchstwahrscheinlich) nicht gerecht. Der arme Mark. Nur wer die Original-Intellegit-Seite kennt, kann das Handbuch studieren oder eine etwas ausführlichere Featurebeschreibung lesen. Man kann auch eine Trial-Version herunterl…nein, man kann nur seine E-Mail-Adresse in ein Formularfeld eingeben und eine Trial-Version anfordern. Die 90er feiern ihr Revival.

Wer den ultimativen E-Mail-Client für Windows kennt, immer her mit den Infos. Am besten per E-Mail.

Beknackte Oberflächen – heute: WinZip

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Mrz 202016
 

Nein, es soll nicht darum gehen, dass der einzig wahre Weg, Archive zu behandeln, die Idee des „Image Filing System“ unter RISC OS ist, und nach wie vor SparkFS von David Pilling die ultimative Implementierung dieser Idee ist. Warum unter Windows bis heute nichts annähernd vergleichbares existiert, ist eines der großen Mysterien der Weltgeschichte. Naja, dort hält man ja teilweise auch den Explorer noch für eine gute Idee.

Also, was nervt mich heute darüber hinaus an WinZip? Das unglaublich schlechte Fehlerhandling. Ich archiviere ein Verzeichnis mit ein paar tausend Dateien. Am Ende des Vorgangs informiert mich WinZip mit folgender alarmierender Meldung: „Es sind Fehler aufgetreten. Möchten Sie die WinZip-Protokolldatei aufrufen?“ Fehler? Natürlich will man wissen, was schiefgegangen ist. Also die Protokolldatei öffnen (keine Ahnung, welcher Schwachspieler hier „aufrufen“ übersetzt hat). Aber was bekommt man zu sehen? Nicht etwa eine Liste der aufgetretenen Fehler. Nein, eine Liste aller Vorgänge. Wie das Hinzufügen einer Datei zum Archiv. Und wie findet man jetzt die Fehler? Leider gibt es überhaupt keinen Hinweis, durch welchen Text so ein Fehler benannt werden könnte. Doch es kommt noch besser: oft sind gar keine Fehler im Protokoll zu finden, sondern lediglich Warnungen.

Fassen wir zusammen: Irreführende Fehlermeldung, gut versteckte Informationen – ein würdiger Kandidat für den Preis der „Beknackten Oberfläche“. Ergonomiewertung: 0%.

In meinem Falle ist der Grund für Warnungen übrigens meistens, das Dateien mit Datestamps früher als dem 1.1.1980 (das früheste Datum, das im ZIP-Format darstellbar ist) archiviert werden. Da fragt man sich doch direkt, was sich Phil Katz damals gedacht hat. Leider können wir ihn nicht mehr fragen.

Artikelserie vom MiST-Meister in der c’t

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Sep 202015
 

Das MiST-Mastermind Till Harbaum hat in der aktuellen, morgen am Kiosk erscheinenden c’t (Ausgabe 21/2015) den ersten Teil einer bisher auf (mindestens?) drei Teile geplanten Artikelserie publiziert. Darin geht es um die Basics rund um die FPGA-Programmierung, und natürlich dient das MiST-Board als Basis für diese Experimente.

Wer schon immer wissen wollte, wie das mit der „Magic“ der MiST-Cores so funktioniert, könnte dümmeres tun, als sich die neueste c’t zu holen. Auch wenn das einzige Ergebnis des ersten Teils ist, die gelbe LED des MiST-Boards blinken zu lassen.

Für den zweiten Teil der Serie ist ein Pong-Klon angekündigt, sprich man erfährt wie die Videoausgabe funktioniert und wie man auf Eingaben des Benutzers reagiert. Im dritten Teil geht es dann ans Eingemachte: eine Z80-Implementierung nebst Speicher und Videocontroller kommen zum Einsatz – als alter Z80-Hase freue ich mich darauf besonders.

Neben der bloßen Verwendung vorgefertigter Cores wird dem MiST-Projekt also eine weitere, interessante Facette hinzugefügt.

Beknackte Oberflächen – heute: Outlook 2010 EMail-Export

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Jul 112015
 

Ich fürchte, die heute begonnene Serie „Beknackte Oberflächen“ könnte ein Dauerbrenner werden. Es gibt weniges, was mich so nervt wie beknackte, unintuitive Benutzungsoberflächen. Es nervt deutlich mehr als hässliche, aber wenigstens funktionale Oberflächen.

Microsoft musste ja viel Kritik einstecken für die Einführung des „Ribbon“-Konzepts. Und das völlig zu Recht. Heute noch frage ich mich, was denn der große Vorteil dieses Konzepts sein soll, und warum es nicht wenigstens möglich war, beide Konzepte parallel zu integrieren – denn letztlich wird ja auch jede Ribbon-Aktion entweder direkt ausgeführt (so wie bei der guten alten Toolbar) oder öffnet irgendwann denselben schäbigen Dialog wie früher.

Es geht ja das Gerücht, dass Microsoft Legionen an UI-Experten beschäftigt und ständig Versuchspersonen befragt zur Benutzbarkeit ihrer Oberflächen. Keine Ahnung, wo diese Experten waren, als ein Programmierer die Aufgabe bekam, in Outlook 2010 die Funktionalität „EMail exportieren“ einzubauen.

Die Ausgangssituation: ich hatte diverse zu exportierende EMails in einer Folder-Struktur gesammelt und wollte nun diesen Folder exportieren und war schon gespannt, welche Formate mir wohl Outlook anbieten würde – Microsoft ist ja auch bekannt dafür, Industriestandards – wenn sie nicht von Microsoft selbst erfunden wurden – entweder nicht oder unvollständig oder fehlerhaft zu unterstützen.

Es stellte sich aber heraus, dass das Export-Format gar nicht das Problem ist, denn die Frage war zunächst: wie funktioniert der Export denn überhaupt? Intuitiv wäre gewesen, den Export über das Kontextmenü erreichbar zu machen – aber da geht nur, über „Eigenschaften“ über den Reiter „AutoArchivierung“ zu archivieren – aber ich wollte ja jetzt exportieren und nicht irgendwann archivieren. Vielleicht direktes Drag&Drop des Folders ins Dateisystem? Nein, da empfängt mich das Verbotsschild. Also mal im „Datei“-Ribbon nachgeschaut, ob es da „Export“ oder „Speichern“ oder sowas gibt. Gibt es nicht. Jetzt war ich doch einigermaßen ratlos und bin die anderen Ribbons durchgegangen. Nix zu sehen. Die Symbolleiste für den Schnellzugriff inspiziert. Geschaut, ob es dort in den „Weiteren Befehlen“ vielleicht irgendeine Export-Aktion gibt. Wieder nix.

OK, dann mal in den „Optionen“ nachschauen, ob man dort irgendwo was aktivieren kann. Dann die Überraschung: Unter „Erweitert“ gibt es tatsächlich einen Bereich „Exportieren“ nebst zugehörigem Button. Drückt man diesen, gibt es noch eine Überraschung: ein Dialog öffnet sich, der eine Auswahl von 9 Aktionen anbietet. 9 Export-Aktionen? Nein, natürlich nicht. 7 davon sind Import-Aktionen. Ah ja. Immerhin: die anderen Dinge unter „Optionen -> Erweitert“ scheinen wirklich Optionen zu sein und keine gut versteckte Funktionalität. Es ist also noch nicht alles verloren.

XYplorer – ein Dateimanager für Windows

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Nov 292014
 

Die meiste Zeit benutze ich Rechner, die unter Windows laufen. Momentan Windows 7 in der Mehrzahl der Fälle. Ganz freiwillig ist das nicht. Am liebsten würde ich RISC OS nutzen, aber das hat inzwischen nur noch wenig Software verfügbar, die ich für die tägliche Arbeit brauche – Java, eine IDE, ein Browser, alles Mangelware unter RISC OS. Linux nutze ich nur für Spezialaufgaben (aktuell ps3mediaserver, CVS-Server, git-Server, NFS-Server).

Egal welches Betriebssystem man nutzt – eine zentrale Aufgabe ist immer die Navigation im und die Organisation des Dateisystems. Erstaunlich, dass Windows dort seit Version 3.0 mit ziemlich schlechter Software ausgerüstet ist. Der Dateimanager machte den Anfang, später dann der Explorer. Bis heute nicht gerade die Spitze was Leistungsfähigkeit und Ergonomie angeht. Die Änderungen zwischen XP und 7 sind auch eher Verschlimmbesserungen.

Ich habe diverse „Commander-ähnliche“ Dateimanager ausprobiert, vom TotalCommander bis zum muCommander. Ich konnte mich nie daran gewöhnen. Eventuell ist das meiner RISC OS-Vergangenheit geschuldet – den RISC OS-Filer halte ich bis heute für das ergonomischste Werkzeug für Dateisystemoperationen. Der Filer ist von derartig eleganter Schlichtheit, dass man den Erfindern täglich auf Knien huldigen will. Unter Linux gibt es den ROX-Filer, entwickelt von einem ehemaligen RISC OS-Benutzer – trotzdem fühlt er sich nicht wie das Original an. Komisch, soll aber nicht das Thema sein.

Letztlich habe ich unter Windows immer mit dem normalen Explorer gearbeitet, in Ermangelung an (mir bekannten) Alternativen. Die Wende kam heute: ich las mal wieder einen der berühmten „die x wichtigsten Freeware-Tools“-Artikel, diesmal in der Geschmacksrichtung „The Register“. Wie so oft waren die Kommentare interessanter als der Artikel, und einer der Kommentatoren nannte ein Tool namens XYplorer als unverzichtbares Werkzeug. Heruntergeladen, auf die Platte extrahiert (ja, es gibt eine „mobile“-Version, die nicht installiert werden muss), gestartet – und sofort gesehen, dass dieses Tool genau das richtige für mich ist.

Highlight-Features aus meiner Sicht – neben der Basisidee der multiplen Tabs – sind der Mini Tree und die „Mouse Down Blow Up“-Funktion. Das lässt sich mit Worten ganz schwer beschreiben, das muss man selbst ausprobieren, oder hier nachlesen. Auch die Such- und Filterfunktionen sehen sehr vielversprechend aus.

Schwächen? Die Internationalisierung scheint nicht vollständig, die deutschen Texte sind immer mal wieder von englischen Einsprengseln unterbrochen, vor allem in den Menüs.

Also: die kostenlose Version herunterladen und ausgiebig testen. Bin gespannt, wie lange meine Euphorie anhält.