Neues vom MIST

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Feb 042017
 

Ich hatte mich schon in früheren Beiträgen (hier, hier und hier). Speziell der Archimedes-Core liegt naturgemäß in meinem Fokus (siehe hier und hier).

Beim Archimedes-Core hat sich leider wenig getan, aber dafür hat sich im Rest der MIST-Welt erheblicher Fortschritt ereignet, über den ich kurz berichten will.

Zum einen gibt es jede Menge neue Cores. Der C16-Core gilt inzwischen als ausgereift und weitgehend komplett. Der VC20 steht nun auch als Core bereit. Und um die Commodore-Fraktion abzurunden, ist ein PET2001-Core gerade in der Mache. Bei den Arcade-Cores gibt es viele Neuzugänge – Galaga ist sicher das Highlight, viele weitere sind in der Pipeline. Bei den Spielkonsolen freuen wir uns auf den Sega MegaDrive (aka Genesis) Core – der macht schon einen guten Eindruck, aber die Soundunterstützung fehlt noch. Unter der Rubrik „Exoten“ würde ich den Mattel-Aquarius-Core einordnen. Die Sinclair-Fraktion freut sich über den Spectrum-128K-Core und den Sam-Coupe-Core. Und noch was aus der Rubrik „Ultra-Exot“: der BK0011M aus Russland, quasi ein PDP11-Clone, gab sein Debüt.

Signifikante Fortschritte gab es beim Amiga-Core (Minimig-Aga) und beim Amstrad CPC-Core, der nun sowohl 60Hz-VGA- als auch 50Hz-TV-Ausgabe beherrscht. Auch der NES-Core hat eine Neuauflage erfahren. Der Atari800-Core kann nun 50Hz-PAL. Der MSX-Core kann auch mit der allerneuesten MIST-Auflage, wo wohl leicht verändertes SDRAM-Timing am Start ist, arbeiten.

Sorgelig hat sich um verbesserte Kompatibilität mit Bildschirmen gekümmert. Viele Cores unterstützen nun den 15kHz-Modus und erlauben eine Videoausgabe nicht nur per RGB für die Scart-Fraktion, sondern auch per YUV (auch als YPbPr oder Komponente bekannt). Das hat einige Vorteile. Während bei RGB via Scart strenggenommen nur PAL klassisch interlaced unterstützt war und die progressive-Ausgabe klassischer Computer und Konsolen mehr aus Versehen bei den typischen Röhrenfernsehern funktioniert hat, ist die progressive Ausgabe beim Komponenten-Signal anständig spezifiziert. Das erhöht die Chance, auch mit modernem Equipment anständige Ergebnisse zu erzielen. Seit der Erfindung von HDMI ist der Komponenteneingang zwar auf dem Rückzug (bei Fernsehern der neuesten Generation fehlt er ebenso wie der Scart-Eingang), aber selbst die neueste Generation AV-Receiver hat immer noch Komponenten-Eingänge an Bord, wenn auch in ständig reduzierter Anzahl.

Die Firmware des MIST wurde ebenfalls verbessert, vor allem die Konfigurationsoptionen zur Zuordnung von Funktionen auf Buttons von USB-Controllern wurden flexibilisiert. Die Repeat-Intervalle für Feuerknöpfe können nun ebenfalls eingestellt werden. Dazu die Unterstützung für die YUV-Ausgabe per mist.ini.

Ich hoffe, ich habe nix vergessen. Ich finde es sehr erfreulich, wie sich die MIST-Community über die Jahre entwickelt hat – zu Anfang lag noch viel Last auf den Schultern des MIST-Erfinders, aber in letzter Zeit gibt es immer mehr Contributers. Es bleibt spannend. Wenn jetzt noch Stephen Leary ein paar seiner geplanten Erweiterungen des Archimedes-Cores nachlegt…

Gedanken zum Thema KI

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Feb 032017
 

In letzter Zeit erkenne ich einen gewissen Trend zur positiven bis euphorischen Berichterstattung über die Fortschritte im Bereich KI. Die einen feiern den Sieg eines Computers über menschliche Spieler (egal ob Schach, Go oder Jeopardy). Die anderen prognostizieren, dass in absehbarer Zeit das vollautonom fahrende KfZ unsere Straßen bevölkert. Und es gibt die Sorge, dass „Skynet“ Wirklichkeit wird. Der Pflegeroboter gilt aus Ausweg aus der demographischen Krise (keine Ahnung, was das für eine Krise sein soll, aber das gehört nicht hierher).

Unterm Strich halte ich das alles für Mumpitz – zumindest, wenn man an „Intelligenz“ einen gewissen Anspruch stellt, der über „wir haben es mit massiver Rechenleistung und cleveren Algorithmen für dieses spezielle Problem hinprogrammiert“ hinausgeht.

Betrachten wir doch mal den Status Quo. Wir befinden uns grob 60 Jahre nach den ersten Gehversuchen der KI. Trotz einzelner Erfolge in sehr spezifischen Gebieten – wie oben genannt – sehe ich die Informatik weit weg von einem etwaigen Durchbruch. Die Komplexität von „Intelligenz“ scheint einfach zu – wie soll man sagen – komplex, um es auf bekannte Weise in Algorithmen zu gießen und in Datenbanken zu verwalten.

Gerne lasse ich mich vom Gegenteil überzeugen. Z.B. durch wirklich intelligente, menschlich agierende Gegner in einem Autorennen – darauf warte ich schon seit Pitstop. Z.B. durch eine Spracheingabe, die auch leichtes Nuscheln einwandfrei versteht – auch gerne durch ein bandbreitenbegrenztes Medium wie das Telefon. Oder wie wäre es mit einer Übersetzungssoftware von Deutsch nach Englisch und andersrum, das keine Stilblüten erzeugt sondern einwandfreie Texte?

Und bitte aufhören, Assistenzsysteme im Auto als Vorstufe zum vollautonomen Fahren zu glorifizieren. Ein „Autopilot“, der regelmäßig die Kontrolle an den menschlichen Fahrer abgeben muss, ist noch sehr weit entfernt von dem, was wirklich nützlich ist – denn wenn ich während des Fahrens nicht was anderes machen kann, habe ich allerhöchstens ein Sicherheitsplus und vielleicht ein Komfortplus, aber gegenüber der Vision des vollautonomen Fahrens ist es doch letztlich nur eine minimale Verbesserung gegenüber heute.