Vom MIST zum MISTer

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Jun 242017
 

Es gibt ein interessantes neues Projekt im MIST-Universum. Sorgelig, einer der aktivsten Core-Portierer und -Entwickler fürs MIST-Board, hat ein neues Projekt gestartet: der MISTer ist sowas wie ein Nachfolger für das MIST-Board, mit deutlich verbesserter Hardware, aber weitestgehend kompatibler Firmware und damit einer einfachen Möglichkeit, die verfügbaren MIST-Cores auf den MISTer zu portieren.

Warum überhaupt neue Hardware? Das MIST ist langsam an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit angekommen. Atari ST und Amiga sind noch im machbaren Bereich, beim Acorn Archimedes wird es schon sehr knapp, und am Sega Megadrive scheitert man aktuell (einige Dinge laufen gut, andere weniger). Die Atari ST-Community träumt natürlich von einer Falcon-Nachbildung, was von den Experten für das MIST aufgrund mangelhafter Leistungsfähigkeit ausgeschlossen wird. Dazu kommt, dass der VGA-Ausgang des MIST ein ständiges Problem darstellt: der Core selbst muss sich darum kümmern, dass videotechnisch so einigermaßen was Kompatibles zu heute verfügbaren Monitoren oder Fernsehern rauskommt. Im MIST-Forum behandeln gefühlt 90% der Postings die Themen Scandoubler, Picture Centering und Konvertierung des analogen Videosignals nach HDMI. Fast alles am MIST ist Plug-and-Play, aber nicht die Bildschirmfrage.

Hardware-Basis des MISTer ist das Terasic DE10-nano-Board. 130 US$ kostet das Basis-Board, natürlich ohne Gehäuse oder ähnlichen Schnickschnack. Der zentrale FPGA-Baustein übertrifft den des MIST um Längen: ein Intel (ex-Altera) Cyclone V mit 110K LEs (MIST: Cyclone III mit 25K LEs), einem ARM Cortex-A9 mit 800 MHz (MIST: 48 MHz ARM), deutlich mehr internem Speicher, und der ARM kann deutlich enger mit dem FPGA-Teil kooperieren. Ein HDMI-Ausgang ist an Bord, es wird automatisch auf 720p skaliert. Per Daughterboard gibt es aber weiterhin Zugriff auf das analoge Signal der Cores nebst analogem Audio-Ausgang.

Während im MIST der ARM nur Steueraufgaben hatte – USB, Menü anzeigen, auf die SD-Karte zugreifen, I/O-Ports kontrollieren – kann im MISTer der ARM durch die enge Kopplung viel mehr Aufgaben übernehmen, sogar Teile der Emulation selbst. Vor allem für Dinge wie das Auslesen von Daten aus Floppy-Images oder ähnliches ist das ein Segen, weil man auf fertig verfügbare Bibliotheken zurückgreifen kann, wie sie auch gewöhnliche Emulatoren verwenden. Mit einem Cortex-A9, der auf nicht weniger als 1 GB RAM zugreifen kann, ist sowas kein Problem. Auf dem ARM läuft ein Minimal-Linux, so dass man auch auf vorgefertigte Treiber z.B. für USB-Devices zurückgreifen kann. Damit ist ein einfacher Weg geebnet, um einiges an Legacy-Hardware wiederzuerwecken, vom seriellen über den parallelen Port bis hin zu IDE oder Floppy (z.B. über Kryoflux).

Aus Entwicklersicht ist laut Sorgelig der größte Vorteil, dass man komfortabel in einer IDE wie Visual Studio die Firmware entwickeln kann und per Knopfdruck auf das Board deployed. Neben der Tatsache, dass die Hardware viel leistungsfähiger ist natürlich und man deshalb bei der Verwendung oder Portierung anderer FPGA-basierter Projekte nicht mehr so viele Handstände machen muss.

Das Projekt ist noch im Frühstadium. Die MIST-Firmware wurde erfolgreich portiert, einige Cores auch. Im Moment wird der Sega Megadrive-Core angepasst.

Gibt es andere Nachteile außer der Tatsache, dass sich das Projekt in einer unausgereiften Frühphase befindet? Der MISTer hat keine klassischen DB9-Joystickports und auch keine MIDI-Ports wie das MIST Plus (aber es gibt GPIO-Pins, die dafür verwendet werden könnten). Und man kann das Ding (noch?) nicht fertig kaufen inklusive Gehäuse. Beim MIST konnte man das Board noch komplett selbst bauen – Platine ätzen und bestücken, kein Problem (genügend Geduld und entsprechendes Equipment vorausgesetzt). Der MISTer-FPGA ist in BGA-Bauweise, so dass man zwingend ein professionell gefertigtes Board wie das Terasic DE10-nano als Basis verwenden muss.

Ich bin gespannt auf die weiteren Fortschritte des Projekts.

Neues vom MIST

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Feb 042017
 

Ich hatte mich schon in früheren Beiträgen (hier, hier und hier). Speziell der Archimedes-Core liegt naturgemäß in meinem Fokus (siehe hier und hier).

Beim Archimedes-Core hat sich leider wenig getan, aber dafür hat sich im Rest der MIST-Welt erheblicher Fortschritt ereignet, über den ich kurz berichten will.

Zum einen gibt es jede Menge neue Cores. Der C16-Core gilt inzwischen als ausgereift und weitgehend komplett. Der VC20 steht nun auch als Core bereit. Und um die Commodore-Fraktion abzurunden, ist ein PET2001-Core gerade in der Mache. Bei den Arcade-Cores gibt es viele Neuzugänge – Galaga ist sicher das Highlight, viele weitere sind in der Pipeline. Bei den Spielkonsolen freuen wir uns auf den Sega MegaDrive (aka Genesis) Core – der macht schon einen guten Eindruck, aber die Soundunterstützung fehlt noch. Unter der Rubrik „Exoten“ würde ich den Mattel-Aquarius-Core einordnen. Die Sinclair-Fraktion freut sich über den Spectrum-128K-Core und den Sam-Coupe-Core. Und noch was aus der Rubrik „Ultra-Exot“: der BK0011M aus Russland, quasi ein PDP11-Clone, gab sein Debüt.

Signifikante Fortschritte gab es beim Amiga-Core (Minimig-Aga) und beim Amstrad CPC-Core, der nun sowohl 60Hz-VGA- als auch 50Hz-TV-Ausgabe beherrscht. Auch der NES-Core hat eine Neuauflage erfahren. Der Atari800-Core kann nun 50Hz-PAL. Der MSX-Core kann auch mit der allerneuesten MIST-Auflage, wo wohl leicht verändertes SDRAM-Timing am Start ist, arbeiten.

Sorgelig hat sich um verbesserte Kompatibilität mit Bildschirmen gekümmert. Viele Cores unterstützen nun den 15kHz-Modus und erlauben eine Videoausgabe nicht nur per RGB für die Scart-Fraktion, sondern auch per YUV (auch als YPbPr oder Komponente bekannt). Das hat einige Vorteile. Während bei RGB via Scart strenggenommen nur PAL klassisch interlaced unterstützt war und die progressive-Ausgabe klassischer Computer und Konsolen mehr aus Versehen bei den typischen Röhrenfernsehern funktioniert hat, ist die progressive Ausgabe beim Komponenten-Signal anständig spezifiziert. Das erhöht die Chance, auch mit modernem Equipment anständige Ergebnisse zu erzielen. Seit der Erfindung von HDMI ist der Komponenteneingang zwar auf dem Rückzug (bei Fernsehern der neuesten Generation fehlt er ebenso wie der Scart-Eingang), aber selbst die neueste Generation AV-Receiver hat immer noch Komponenten-Eingänge an Bord, wenn auch in ständig reduzierter Anzahl.

Die Firmware des MIST wurde ebenfalls verbessert, vor allem die Konfigurationsoptionen zur Zuordnung von Funktionen auf Buttons von USB-Controllern wurden flexibilisiert. Die Repeat-Intervalle für Feuerknöpfe können nun ebenfalls eingestellt werden. Dazu die Unterstützung für die YUV-Ausgabe per mist.ini.

Ich hoffe, ich habe nix vergessen. Ich finde es sehr erfreulich, wie sich die MIST-Community über die Jahre entwickelt hat – zu Anfang lag noch viel Last auf den Schultern des MIST-Erfinders, aber in letzter Zeit gibt es immer mehr Contributers. Es bleibt spannend. Wenn jetzt noch Stephen Leary ein paar seiner geplanten Erweiterungen des Archimedes-Cores nachlegt…

Die Idiotie nachträglicher Änderungen an altgedienten Schnittstellen

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Sep 042016
 

Update – siehe unten

Ich beschäftige mich derzeit mit allerlei Retro-Hardware in Vorbereitung auf die Classic Computing 2016, wie man auf dem Nachbarblog nachlesen kann. Also Floppylaufwerke, viel zu kleine IDE- und SCSI-Festplatten (Megabytes statt Gigabytes), alte Rechner als Festplatten noch Sonderausstattung waren.

Dabei ist mir eine besondere Idiotie der IT-Industrie sauer aufgestoßen. Es geht um die gute alte IDE-Schnittstelle. Früher war alles bestens: 40pin Wannenstecker am Controller und am Device, verbunden per 40pin-Flachbandkabel mit 40pin-Pfostenstecker. Verpolsicher wurde es gemacht durch die klassische „Nase“ am Stecker und einer entsprechenden Nut an der Wanne. So weit, so prima. Alle waren glücklich.

Irgendwann kam jemand auf die Idee, die Verpolungssicherheit per Nase-Nut könnte eventuell nicht ausreichend sein (und tatsächlich gab es einige Ultra-Billigheimer-Kabel, die doch tatsächlich die Nase einsparten) und führte ein zusätzliches Merkmal ein: das fehlende Loch an Pin 20 des Pfostensteckers, und damit korrespondierend der fehlende Pin in der Wanne.

Jedem Durchschnittsdummen sollte sofort klar sein: eine derartige Inkompatibilität kann nur zu Problemen führen. Während der fehlende Pin in der Wanne logischerweise nie zum Problem wird, macht das nicht-Loch nur Scherereien. Kabel passen nicht mehr in die Wanne, und wenn man nicht aufpasst, ruiniert man sich schnell mal die Hauptplatine. Aktuell habe ich hier ein Mainboard eines Microdigital Omega, der Ultra-ATA unterstützt, aber alle Pins in der Wanne bestückt hat. Ersatzkabel finden? Fehlanzeige. Pin abtrennen scheint die einzige Möglichkeit zu sein. Macht keinen Spaß bei wertvoller alter Hardware. Bei einem CF-IDE-Adapter dasselbe Problem. Gut, es geht auch noch schlechter: ein SD-IDE-Adapter hat nur eine doppelte Stiftleiste ohne Wanne, dafür mit allen Pins – wie man da die Polung herausfinden soll, bleibt im Dunkel. Vorsichtshalber wurde auch jegliche hilfreiche Beschriftung wie „Pin 1“ weggelassen.

Ebenfalls dämlich: das nicht-Loch an einem Noname-IDE-Flash-Modul. Schon die Tatsache, hier die weibliche statt der männlichen Steckerseite zu verbauen, ist besonders dämlich – somit taugt das Modul nicht als Drop-In für ein altes Laufwerk, sondern man muss noch einen Gender Changer dazwischen hängen. Oder das Modul direkt in die IDE-Buchse auf dem Mainboard reinstecken – klar, so ein kleines Flash-Modul hat als Zielgerätschaft ja keinesfalls altgediente Hardware, die mit modernen großen Platten nix anfangen kann. Und natürlich belegt man gerne mit einem Device einen IDE-Strang, der prima zwei Devices betreiben könnte. Aber gut, dann hätte man ja noch einen wertvollen Jumper vorsehen müssen für die Master-Slave-CS-Einstellung.

Und übrigens: Molex-Stecker und -Buchsen für die Laufwerksstromversorgung sind das Allerletzte.

Update – in der ersten Version dieses Artikels wurde den Transcend-IDE-Flash-Modulen unterstellt, ein nicht-Loch im weiblichen Stecker zu haben und keine Master-Slave-CS-Umschaltung zu unterstützen. Ersteres war falsch, zweiteres teilweise falsch – Master-Slave geht per kleinem Schalter, CS aber nicht (was vergleichsweise aber ein unbedeutendes Problem ist). Ich hatte das verwechselt mit einem Noname-Flash-Modul. Sorry, Transcend.

ARM-Missverständnisse

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Jul 232016
 

Durch die möglicherweise anstehende Übernahme von ARM Ltd., Macher der allseits beliebten ARM-Prozessoren (oder eher: des lizenzierbaren „Materials“, aus dem ein Lizenznehmer dann den Prozessor machen kann), liest man wieder vermehrt von den Gründen, warum ARM es eigentlich als einzige alternative Prozessorarchitektur geschafft hat, x86 die Stirn zu bieten. Wir gedenken für einen Moment PowerPC, MIPS und SPARC als „zwar noch nicht tot, aber eher wenig verbreitet“ und ignorieren sie ab sofort. Ein kurzes Gedenken an den Alpha ist natürlich auch zulässig.

Oft ist zu lesen, das Tolle an den ARM-Prozessoren sei, dass sie so stromsparend sind. Das ist zwar irgendwie richtig, reicht aber als Erklärung nicht aus. Eine Menge Prozessoren (oder Prozessorarchitekturen) sind stromsparend und könnten relativ problemlos nach unten skalieren – denn viele ARM-Prozessoren, die sehr leistungsfähig sind (man denke an die diversen Cortex-A15-Implementierungen), sind auch nicht so richtig stromsparend. Viele Intel-Prozessoren, die sehr leistungsfähig sind, sind verhältnismäßig stromsparend. In punkto „Effizienz“ hat ARM also nicht wirklich eine magische Technologie entwickelt, die der Konkurrenz voraus ist.

Nein, die Gründe für die ARM-Dominanz sind woanders zu suchen – und bis sie sich etabliert hatte, hat es ja auch eine ganze Zeit gedauert. ARMs entscheidender Vorteil, der meines Erachtens auch die Basis für den erfolgreichen Abwehrkampf gegen Intels Eindringen in die Welt der „mobile chips“ war, ist das preiswerte, flexible Lizenzierungsverfahren. Ein Intel-Chip kommt aus einer Intel-Fabrik und enthält die Komponenten, die Intel dafür vorgesehen hat. Ein ARM-Chip kommt aus irgendeiner Fabrik und enthält die Komponenten, die der Lizenznehmer dafür vorgesehen hat. Die Lizenznehmer konkurrieren untereinander, sind ganz nah bei ihren Kunden, bauen teilweise spezifische Lösungen, die dann unerwartet bei anderen Kunden auch beliebt werden. Durch die niedrigen Lizenzgebühren braucht man keine Millionenstückzahlen, um Gewinne einzufahren – das erleichtert das Experimentieren, Versuch und Irrtum, kurze Verbesserungszyklen. Es hat sich ein riesiges Ökosystem entwickelt, wo praktisch jeder „seinen“ Chip finden kann. Oder er baut ihn gleich selbst (siehe als herausragende Beispiele Apple und Samsung, oder früher DEC mit dem StrongARM). Ethernet, Wifi, Bluetooth, S-ATA, LTE, USB, Grafik, Flash-RAM – der Variantenreichtum ist unerschöpflich, und alles kann strom- und kostensparend auf einem einzigen Chip vereinigt implementiert sein. Und der Wechsel des Lieferanten ist auch einfach.

Am Ende ist es vielleicht der Kampf zwischen Marktwirtschaft (ARM und Alternativen, Lizenznehmer, Auftragsfertiger) und Zentralverwaltungswirtschaft aka Planwirtschaft (Quasi-Monopolist Intel). Es dauert, es geht auf und ab, aber am Ende ist der Sieger eindeutig. Selbst wenn der Verlierer am Anfang des Kampfes gewaltigen Vorsprung hatte.

Wird sich an der ARM-Dominanz etwas ändern durch den Verkauf an Softbank? Man wird sehen. Glaskugeln sind gerade Mangelware.

Pyra-Vorbestellung möglich

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Mai 262016
 

Ich bin etwas spät dran, weil Vorbestellungen schon seit Anfang Mai möglich sind. Irgendwie ist das aber an mir vorbeigegangen. Also besser spät als nie.

Was ist denn nun überhaupt eine Pyra? Im Prinzip eine OpenPandora in schöner und besser und schneller und überhaupt.

OK, aber was ist jetzt eine OpenPandora? Geistige Vorgängersysteme waren portable Spielkonsolen in der Tradition von Atari Lynx oder Sega GameGear, aber ganz auf der Idee offener Systeme basierend: GP32 (2001), GP2X (2005) und GP2X Wiz (2009), allesamt von der südkoreanischen Firma Game Park/GamePark Holdings entwickelt. Linux-basiert, mit einem ARM als Herz, Grunddesign mit Pad links, Bildschirm in der Mitte, Knöpfe rechts. Da die Systeme softwaretechnisch vollständig offen waren, waren sie der Traum für die „Homebrew“-Szene. Dementsprechend viele, meist freie Software entstand deshalb für diese Handhelds. Der Markt für native Spiele war eher klein, aber es gab eine Menge Emulatoren für den Spielspaß unterwegs, vom C64 bis zum CPC konnte zumindest aus der 8bit-Welt praktisch alles emuliert werden, das GP2X Wiz mit einem 533 MHz ARM9 hatte sogar genug Saft für die 16bit-Spielkonsolen. Die OpenPandora war dann quasi der inoffizielle Nachfolger der Game Park-Handhelds, die nicht nur den Handheld-Spielekonsole-Charakter abdecken sollte, sondern ein vollständiges portables Linux-System mit integrierter Tastatur.

Die OpenPandora – manchmal auch kurz Pandora genannt – basiert hardwaretechnisch auf einem BeagleBoard-ähnlichen Design, also ARMv7 TI OMAP 3 mit bis zu 1 GHz Taktfrequenz. Verpackt in ein klappbares Gehäuse – im weitesten Sinne ähnlich einem Nintendo DS – mit einem Sack voll Schnittstellen von 2 SD-Cards bis zu USB. Auf der einen Seite dank der Tastatur eine Art Mini-PC, auf der anderen Seite aber auch als Handheld-Spielkonsole positioniert dank entsprechenden Controller-Elementen vom 8-Wege-Pad bis zu Schultertasten. Ein 4,3″-Touchscreen mit 800×480 Bildpunkten sorgt für ein klares Bild. Es gab eine Menge Probleme und Verzögerungen bei Herstellung und Auslieferung, grob ab 2010 war die OpenPandora endlich in Stückzahlen erhältlich.

Genug der Historie. Der Nachfolger der OpenPandora ist die Pyra. OMAP5 statt OMAP3, also 1,5 GHz Cortex-A15 Dual-Core statt maximal 1 GHz Cortex-A8 Single-Core. Über den groben Daumen gepeilt bedeutet das eine etwa um Faktor 5 erhöhte Rechenleistung. 2 bis 4 GB Hauptspeicher sind verbaut, dazu aktuelle Schnittstellen wie HDMI, eSATA und USB3. Das Display ist nun 5″ groß und schafft die 720p-HD-Auflösung. Kontakt nach außen gibt es via WiFi und Bluetooth, optional gibt es auch ein UMTS/LTE-Modul inklusive der gängigen Smartphone-Sensorik von GPS über Höhenmesser bis zum Gyro-Sensor. 32GB Flash ist eingebaut, damit man auch ohne eingesteckte SD(XC)-Karte das System seiner Wahl booten kann. Es steckt ein 6000mAh-Akku drin, der ausgetauscht werden kann. Die Tastatur hat eine Hintergrundbeleuchtung spendiert bekommen.

Eine weitere Besonderheit: das Hardware-Design ist modular. So leben CPU und RAM auf einem separat tauschbaren Board, was zukünftige Updates ermöglicht. Inwiefern dieses Szenario realistisch ist, insbesondere nachdem TI die OMAP-Reihe nicht mehr fortführt, sei dahingestellt – ich habe es noch nie für eine gute Idee gehalten, auf spätere Updates zu hoffen. Man kauft am besten das, was existiert, und nicht die Hoffnung auf etwas eventuell irgendwann existierendes.

Wer ist nun Zielgruppe der Pyra? Schwer zu sagen. Sie ist portabler als ein kleines Netbook. Aber auch deutlich dicker als ein Smartphone oder von mir aus eine PS Vita. Aber die hat halt auch eine vollständige Tastatur, die – ich nehme mal meine OpenPandora als Benchmark – durchaus benutzbar ist. Sie ist nicht ganz preiswert, mit 4 GB RAM und mit 3G/4G-Modul liegt man doch schon bei 750€. 2 GB ohne Mobile-Modul liegt bei 600€. Also doch eher unterm Strich ein Liebhaberstück. Damit bin ich Zielgruppe. Hurra! Zumal RISC OS auf der OpenPandora problemlos lief und die Pyra dank HDMI-Out und USB ja sowohl als stationäres als auch mobiles System dienen könnte.

Hier unter pyra-handheld.com gibt es die volle Info-Dröhnung und Details zur Vorbestellung.

Raspberry Pi 3 verfügbar

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Feb 292016
 

Heute hat die Raspberry Pi Foundation den Raspberry Pi 3 offiziell vorgestellt. Er ist bereits (im Gegensatz zum RPi Zero, der immer noch bei der Verfügbarkeit schwächelt) in kleinen Stückzahlen bei den üblichen Verdächtigen lieferbar. Preise liegen bei rund 40€.

Jetzt gibt es also harte Fakten. Die weichen gar nicht so sehr von den Gerüchten ab, die ich vorgestern eingesammelt habe:

  • SoC 1,2 GHz BCM2837 Quad-Core Cortex-A53 – also ARMv8 64bit, aber mit AArch32-Unterstützung
  • WiFi (802.11n) und Bluetooth (4.1) über BCM43438 on board

Rest ist unverändert zum RPi 2 – 1GB RAM, 4x USB2.0, 100MBit Ethernet über USB angebunden, analog Video/Audio out über Klinke, HDMI für digital Video/Audio, microSD-Slot. Es wird ein 2,5A-Netzteil empfohlen, wenn man die 4 USB-Ports voll belasten will. Alle Ports sind an der gleichen Stelle wie beim RPi B+ und RPi 2 B, die Gehäuse sind also kompatibel.

Performancetechnisch wird die Steigerung vermutlich bei 50% gegenüber dem RPi 2 liegen – etwas höherer Takt, und höhere Effizienz des Cortex-A53 gegenüber dem Cortex-A7. NEON soll deutlich schneller geworden sein.

Ben Avison hat ein paar interessante Details zur Rückwärtskompatibilität im ROOL-Forum gepostet. Es scheint diesmal kein übles Ei wie die Änderung der non-word-aligned-memory-access-Geschichte bei ARMv7 vs. ARMv6 zu geben, nur Kleinigkeiten die vermutlich nur das OS betreffen.

In Summe ist der RPi 3 eine super Sache – gleicher Preis wie bisher, und man hat die Chance preiswert einen realen 64bit-ARM zu betreiben. Und im High-End-Bereich gibt es genügend Platz für Alleinstellungsmerkmale wie Gigabit Ethernet und S-ATA.

 

Raspberry Pi 3 im Anmarsch

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Feb 272016
 

Der heise-Newsticker hat es vermeldet: der nächste Streich der Raspberry Pi Foundation ist im Anmarsch, im Moment von der Presse Raspberry Pi 3 getauft. Sicher scheint zu sein, dass WLAN und Bluetooth serienmäßig mit an Bord sind. Laut diesem Titelbild von der kommenden Ausgabe des MagPi-Magazins können wir uns auch auf 64bit (also ARMv8) und 1,2 GHz freuen. Laut diesem Bild einer Seite des CPC-Katalogs wird der UK-Preis bei 26,38 UKP liegen (netto vermutlich), im Innern steckt ein Broadcom BCM2837 SoC – es bleibt also beim Quadcore. WLAN und Bluetooth wird durch den BCM43143 bereitgestellt.

Ansonsten sieht er dem Raspberry Pi 2 Model B zum Verwechseln ähnlich. microSD, USB, Ethernet, Analog-Audio und -Video über die vierpolige Klinkenbuchse, 40pin-GPIO.

Die offizielle Ankündigung der Raspberry Pi Foundation steht noch aus. Aber demnächst feiert der Raspberry Pi seinen vierten Geburtstag, da wäre es doch passend.

$5. Wow.

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Nov 262015
 

Die Raspberry Pi Foundation hat wieder zugeschlagen. Weder ein Gerücht noch ein einziger Mucks war vorher zu vernehmen. Und jetzt ist er da: der Raspberry Pi Zero. Spektakulär der Preis: 5 US$ soll das gute Stück kosten. Unsere Freunde auf der Insel dürfen sogar auf ein kostenloses Exemplar hoffen, sofern sie sich zum Kauf der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „The MagPi“ durchringen können.

Prozessortechnisch basiert der Pi Zero auf dem BCM2835, also heißt es wieder: zurück zum ARM11-Core. Diesmal allerdings in der 1 GHz-Ausprägung.

Aber irgendwas muss bei diesem Preis natürlich geopfert werden. In diesem Falle: Schnittstellen. Insbesondere bestückte Schnittstellen. Kein Ethernet, nur ein Micro-USB, Micro-HDMI statt HDMI, die GPIO-Stiftleiste nicht bestückt, der Composite Video Out nicht bestückt.

Die kleineren Abmessungen kann man dagegen wohl leicht verschmerzen.

In Summe also ähnlich dem Raspberry Pi A-Modell, noch weiter reduziert, aber endlich mal alle Schnittstellen auf einer Seite der Platine gebündelt.

RISC OS scheint übrigens auch „out of the box“ zu laufen. Fehlt nur noch ein geeigneter Anwendungsfall.

Artikelserie vom MiST-Meister in der c’t

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Sep 202015
 

Das MiST-Mastermind Till Harbaum hat in der aktuellen, morgen am Kiosk erscheinenden c’t (Ausgabe 21/2015) den ersten Teil einer bisher auf (mindestens?) drei Teile geplanten Artikelserie publiziert. Darin geht es um die Basics rund um die FPGA-Programmierung, und natürlich dient das MiST-Board als Basis für diese Experimente.

Wer schon immer wissen wollte, wie das mit der „Magic“ der MiST-Cores so funktioniert, könnte dümmeres tun, als sich die neueste c’t zu holen. Auch wenn das einzige Ergebnis des ersten Teils ist, die gelbe LED des MiST-Boards blinken zu lassen.

Für den zweiten Teil der Serie ist ein Pong-Klon angekündigt, sprich man erfährt wie die Videoausgabe funktioniert und wie man auf Eingaben des Benutzers reagiert. Im dritten Teil geht es dann ans Eingemachte: eine Z80-Implementierung nebst Speicher und Videocontroller kommen zum Einsatz – als alter Z80-Hase freue ich mich darauf besonders.

Neben der bloßen Verwendung vorgefertigter Cores wird dem MiST-Projekt also eine weitere, interessante Facette hinzugefügt.