Jul 232016
 

Durch die möglicherweise anstehende Übernahme von ARM Ltd., Macher der allseits beliebten ARM-Prozessoren (oder eher: des lizenzierbaren „Materials“, aus dem ein Lizenznehmer dann den Prozessor machen kann), liest man wieder vermehrt von den Gründen, warum ARM es eigentlich als einzige alternative Prozessorarchitektur geschafft hat, x86 die Stirn zu bieten. Wir gedenken für einen Moment PowerPC, MIPS und SPARC als „zwar noch nicht tot, aber eher wenig verbreitet“ und ignorieren sie ab sofort. Ein kurzes Gedenken an den Alpha ist natürlich auch zulässig.

Oft ist zu lesen, das Tolle an den ARM-Prozessoren sei, dass sie so stromsparend sind. Das ist zwar irgendwie richtig, reicht aber als Erklärung nicht aus. Eine Menge Prozessoren (oder Prozessorarchitekturen) sind stromsparend und könnten relativ problemlos nach unten skalieren – denn viele ARM-Prozessoren, die sehr leistungsfähig sind (man denke an die diversen Cortex-A15-Implementierungen), sind auch nicht so richtig stromsparend. Viele Intel-Prozessoren, die sehr leistungsfähig sind, sind verhältnismäßig stromsparend. In punkto „Effizienz“ hat ARM also nicht wirklich eine magische Technologie entwickelt, die der Konkurrenz voraus ist.

Nein, die Gründe für die ARM-Dominanz sind woanders zu suchen – und bis sie sich etabliert hatte, hat es ja auch eine ganze Zeit gedauert. ARMs entscheidender Vorteil, der meines Erachtens auch die Basis für den erfolgreichen Abwehrkampf gegen Intels Eindringen in die Welt der „mobile chips“ war, ist das preiswerte, flexible Lizenzierungsverfahren. Ein Intel-Chip kommt aus einer Intel-Fabrik und enthält die Komponenten, die Intel dafür vorgesehen hat. Ein ARM-Chip kommt aus irgendeiner Fabrik und enthält die Komponenten, die der Lizenznehmer dafür vorgesehen hat. Die Lizenznehmer konkurrieren untereinander, sind ganz nah bei ihren Kunden, bauen teilweise spezifische Lösungen, die dann unerwartet bei anderen Kunden auch beliebt werden. Durch die niedrigen Lizenzgebühren braucht man keine Millionenstückzahlen, um Gewinne einzufahren – das erleichtert das Experimentieren, Versuch und Irrtum, kurze Verbesserungszyklen. Es hat sich ein riesiges Ökosystem entwickelt, wo praktisch jeder „seinen“ Chip finden kann. Oder er baut ihn gleich selbst (siehe als herausragende Beispiele Apple und Samsung, oder früher DEC mit dem StrongARM). Ethernet, Wifi, Bluetooth, S-ATA, LTE, USB, Grafik, Flash-RAM – der Variantenreichtum ist unerschöpflich, und alles kann strom- und kostensparend auf einem einzigen Chip vereinigt implementiert sein. Und der Wechsel des Lieferanten ist auch einfach.

Am Ende ist es vielleicht der Kampf zwischen Marktwirtschaft (ARM und Alternativen, Lizenznehmer, Auftragsfertiger) und Zentralverwaltungswirtschaft aka Planwirtschaft (Quasi-Monopolist Intel). Es dauert, es geht auf und ab, aber am Ende ist der Sieger eindeutig. Selbst wenn der Verlierer am Anfang des Kampfes gewaltigen Vorsprung hatte.

Wird sich an der ARM-Dominanz etwas ändern durch den Verkauf an Softbank? Man wird sehen. Glaskugeln sind gerade Mangelware.

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