Jul 022017
 

Eine Meldung erschüttert die Grundfesten der deutschen Sprache: am Donnerstag gab der „Rat für deutsche Rechtschreibung“ bekannt, dass das große scharfe S nun (endlich?) offizieller Bestandteil der deutschen Rechtschreibung werden soll. So berichten beispielsweise Die Welt oder SPIEGEL Online.

Mein erster Reflex (und deshalb landet dieser Artikel im IT-Blog, weil es eben der Reflex eines IT-geprägten Menschen ist): sind die wahnsinnig? Was ist denn der Unicode-Codepoint, und wie lange wird es dauern bis das Dingens in Tastaturtreibern und Fonts auftaucht? Ein kurzes Googeln später die Erkenntnis: das ist schon seit 2008 durch. Unicode-Codepoint U+1E9E, als HTML-Entity also &7838;. Unter Windows per Shift+AltGr+ß tippbar (nicht unter Windows 7, aber zumindest unter Windows 10). Und auch diverse Fonts sind bereits seit Längerem damit ausgerüstet: Arial, Times New Roman, Verdana und Tahoma seit Windows 7, unter den freien Schriften sind DejaVu und Bitstream Vera am Start. Also: das Rückenmark lag (dieses eine Mal) falsch.

Nichtsdestotrotz wäre mir die „Schweizer Lösung“ lieber gewesen: ersatzlose Abschaffung des ß. Braucht kein Mensch. Zweitbeste Lösung: mit der bisherigen Situation leben. Kein Mensch braucht – abgesehen von Designern und Werbefuzzis – die reine Großschreibung (Versalsatz). Da geistern zwar merkwürdige Begründungen wie „Maschinenlesbarkeit“ durch die Gazetten, aber das ist im 21. Jahrhundert kein valider Grund mehr. Auch nicht auf Personalausweisen.

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