Dez 032014
 

Es war einmal ein Informatik-Student der Uni Stuttgart im vierten Semester. Bis dato wurde er programmiertechnisch mit Modula-2, Prolog und Lisp traktiert. Dann: Das Software-Praktikum in der Abteilung „Software Engineering“ mit dem Thema „Durchführung eines Softwareprojekts: Entwicklung eines Fahrplanauskunftssystem“ stand an. Die Implementierung erfolgte in Ada 83 unter DEC Ultrix (schon damals eher exotisch), zuvor habe ich deshalb den Ada-Kompaktkurs bei Jürgen Schwille (inzwischen hat es der zum Prof.Dr. gebracht und unterrichtet an der DHBW Stuttgart) genießen dürfen.

Gemessen an den damals verfügbaren Alternativen (C, BASIC, Pascal, Modula-2 und vielleicht noch Objective-C, wenn man sich zufällig einen NeXT leisten konnte) war Ada eine Offenbarung. Die Multithreading-Abstraktion in Form des „Taskings“, die „Derived Types“, die Abstraktionsmöglichkeiten über Packages und Generics – obwohl oft als „Designed By Committee“ verschrien, fand ich Ada damals gemessen an der Leistungsfähigkeit bemerkenswert elegant.

Anno 1995 kam dann mit Ada 95 ein großes Sprachupdate. Hierarchische Packages, Objektorientierung via „Tagged Types“, eine stark erweiterte Standardbibliothek – das nächste Uni-Projekt, das Fachpraktikum mit Thema „Entwicklung eines Terminkalenders unter Gesichtspunkten des Software Engineerings“ in der interessanten Kombination Backend in Ada – Frontend in Tcl/Tk, machte mich zum Ada-Fan.

Endlich war mit GNAT auch ein freier Ada-Compiler verfügbar, der sogar auf RISC OS portiert wurde. Das gab mir die Gelegenheit, mal schnell eine CD-Brenner-Software namens CDBurn in Ada zu entwickeln. Um Mitstreiter in Sachen Ada unter RISC OS zu finden, habe ich 1999 einen Artikel namens „Die Programmiersprache Ada“ für die GAG-News geschrieben – ein wenig Ada-Historie, kurze Codebeispiele, was für den Einsatz unter RISC OS spricht, Literaturempfehlungen.

Der Artikel ist m.E. nicht besonders gut gelungen. Oberflächlich, sehr bemühte Beispiele, setzt gewisse Programmierkenntnisse voraus ohne diese genau zu spezifizieren…aber mangelhafte Qualität hat ja noch nie Verbreitung behindert. Die TU München hat anno 2005 meinen Text für ein Ada-Proseminar als Mini-Einführung verwendet – keine Ahnung, wie die drauf gekommen sind. Und heute sehe ich bei einer statistischen Auswertung der Referrer-URLs auf meine Domains, dass auch die Uni Stuttgart, genauer das Institut für Automatisierungs- und Softwaretechnik, in Unterlagen für das Fachpraktikum Automatisierungstechnik meinen Artikel als Literaturreferenz aufführt.

Jetzt mal ehrlich: wenn mein höchst mittelmäßiger Artikel ein zitierwürdiges Werk im deutschsprachigen Ada-Universum ist, steht es sehr sehr schlecht um diese Programmiersprache. Und das wäre ein Jammer, denn besonders die letzten beiden Sprachupdates Ada 2005 und Ada 2012 haben eine Menge getan, um die Sprache modern zu halten, ohne die ursprünglichen Stärken zu verlieren.

Also: flugs mal bei AdaCore vorbeischauen, GNAT GPL 2014 Edition runterladen , und loslegen – meine Empfehlung ist, eher das Eclipse-Plugin GNATbench zu verwenden, anstatt es mit GPS zu versuchen. Dann ein Tutorial – Vielleicht nicht unbedingt mit meinem Artikel, sondern lieber „Ada Distilled“ von Richard Riehle, das Lovelace Tutorial von David Wheeler  (echt oldschool), das Wikibook zur Ada-Programmierung, den Ada Crash-Course oder, falls man einen Background in C oder C++ hat, mit diesem PDF anfangen.

Besonders mutige Naturen laden die GNAT-Variante für die JVM herunter (gibt es leider nur in der GNAT GPL 2013-Variante) – damit kann man Ada-Quellcode in Bytecode compilieren und auf der JVM ausführen. Erste Aufgabe: schreibe ein Ada-Programm, das mit Swing-Mitteln einen JFrame öffnet. Der erste Einsender einer richtigen Lösung erhält einen Sonderbonus.

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