Im Prinzip bin ich ein Fan der FRITZ!Box. Auf keinen Fall vom kompliziert zu schreibenden Namen, aber funktionalitätstechnisch schon. Auch der Versorgung über die langjährig verfügbaren Software-Updates, die Betriebsstabilität, der Feature-Reichtum und die generell Nerd-kompatible Herangehensweise der Firma AVM sagen mir durchaus zu. Seit den seligen Arcor-DSL-Tagen Anfang der Nullerjahre bringt mich die FRITZ!Box ins Internet, zig Modelle habe ich durch, seit meinem Wechsel zu KabelBW (etwa im Jahre 2011 wimre) ist es eine 6360 Cable, die zuverlässig Internet, Fon und Fax ins Haus bringt. Unverändert, obwohl der Provider inzwischen doppelt unfirmiert hat, über Unitymedia inzwischen zu Vodafone.
Aber es gibt dann diese Detailschwächen, wo man sich schon fragt, warum das im Jahre des Herrn 2026 wirklich sein muss (und bevor jetzt jemand schreit: aktuell teste ich mit einem neuen DSL-Anschluss eine FRITZ!Box 7530AX, die letztlich Grund für diesen Blog-Eintrag ist).
Zunächst: AVM kann sich nicht entscheiden, wie sie mit IEC- bzw. SI-Einheiten umgehen wollen. Wenn ich die Box unter „Übersicht“ anschaue, erzählt sie mir von einer Downstream-Geschwindigkeit von „199,7 Mbit/s“. Unter „Internet -> DSL-Informationen -> Übersicht“ hingegen von „204,41 Mbit/s“. Geht man davon aus, dass „Internet -> DSL-Informationen -> DSL“ mit 204413 kbit/s die Wahrheit spricht, erkennt man das Problem. Nun kann man sicher darüber diskutieren, ob man dem Endkunden lieber gewohnte Werte mit den 2er Potenzen zeigen will oder die physikalisch-normgerechten (SI!) mit 10er Potenzen – was aber gar nicht geht: beide Varianten, nur einen Klick voneinander entfernt. Das ist schlicht Schlamperei, wenn auch im Bereich „merkt eh keiner außer mir“.
Während meiner DSL-Experimente (an welcher Stelle der Hausverkabelung und an welcher TAE-Dose und mit welchem DSL-TAO-Anschlusskabel schafft die Box welche Geschwindigkeit beim Connect mit der Vermittlungsstelle, und wie entwickelt sich die Fehlerstatistik und der Störabstand) bin ich auf ein anderes Problem gestoßen: plötzlich war der Upstream unglaublich langsam. Die Box selbst behauptete, 40 MBit/s als Verbindungsgeschwindigkeit zu haben, aber die einschlägigen Speedtests ermittelten unter 1 MBit/s (!!). Kabel an der Box aus- und wieder einstecken: unverändertes Bild. Neustart in der Box-Weboberfläche auslösen: unverändertes Bild. Erst ein hartes Strom-Weg, 10s warten, Strom-wieder-an löste das Problem. Das fällt nun schon unter die Rubrik „bedenklicher Hinweis auf unsaubere Firmware“. Bestätigt aber einmal mehr die Informatiker-Erfahrung, mit der man immer bei dubiosen Problemen anfängt: erstmal aus- und wieder einschalten.
Zuletzt habe ich noch bei Experimenten mit WLAN-Mesh vs. PowerLan festgestellt: der USB2.0-Anschluss der guten alten 6360 ist als NAS wirklich völlig untauglich. Die erreichbare Geschwindigkeit schwankt zwischen 4 MB/s und 8 MB/s, egal wie schnell der Massenspeicher ist, den man anklemmt, und egal, ob der ext2 oder FAT32 formatiert ist (was angeblich einen Unterschied macht). Die AVM-Knowledgebase entschuldigt das mit der armen überforderten CPU der Box. Nun ja, 2011, da gab es schon reichlich ARM-SoCs, die das für sehr kleines Geld sehr viel besser konnten. Der Test mit der brandneuen 7530 steht hier noch aus, aber allein die Tatsache, dass man 2026 ein Gerät mit USB2.0 ins Haus geliefert bekommt ist schon etwas befremdlich. Nun ist natürlich die Box nicht in erster Linie ein NAS, aber AVM tritt ja mit dem Versprechen der eierlegenden Wollmilchsau an, und da würde es nicht schaden, etwas mehr Liebe zum Detail zu investieren. Denn „kann alles, aber nix richtig“ ist kein besonders gutes Verkaufsargument.
Aber gut, auch die Strategie „wir machen SmartHome über DECT“ ist ja aus meiner Sicht eher komisch. Die FRITZ!Box als Internet-Zentrale wäre ja geradezu prädestiniert als SmartHome-Zentrale, und der Einbau von ZigBee, Z-WAVE und EnOcean wäre jetzt auch nicht der riesige Kostenfaktor. Aber wer bin ich, AVM da gute Ratschläge erteilen zu wollen. Dem Werbespruch „DECT statt WLAN: Hohe Reichweite, kaum Störanfälligkeit“ kann ich jedenfalls keinen Wahrheitsgehalt attestieren, wenn ich die Erfahrungen hier im Haus mal zusammenfasse. Alleine die Tatsache, dass man tendenziell bei schwierigen Verhältnissen (Stahlbeton…) dann beide Funk-Technologien mit Repeatern aller Art aufpäppeln darf, zeigt das Problem.
Abschließend doch noch ein guter Rat für AVM: warum nicht mal wieder einen WLAN-Repeater ins Angebot nehmen, der die Steckdose durchschleift und der trotzdem so kompakt ist, dass er genau nur eine Steckdose belegt. Irgendwie ist das bei allen Anbietern aus der Mode gekommen. Und wenn man schon dabei ist: die Schaltbarkeit der Steckdose über das WLAN sowie die Messung des Stromverbrauchs angeschlossener Geräte wäre jetzt auch kein Luxus.