Joystick-Richtigstellungen

Wer kennt ihn nicht, den klassischen XKCD „Someone is WRONG on the Internet“ – ein Gefühl, das mir nicht völlig fremd ist.

Vor allem bei Retro-Themen wird derart viel Unsinn verbreitet von irgendwelchen Schreiberlingen, die entweder zu faul oder zu dumm sind, korrekt zu recherchieren oder wenigstens mal jemand zu fragen, der damals dabei war. Peinlicherweise ist oft sogar die Wikipedia näher an der historischen Wahrheit. Oder die KI. Aber die einzig wahre Wahrheit gibt es natürlich nur hier und von mir.

Anlass für diesen Blog-Artikel ist die Ankündigung eines Remakes des legendären Joysticks „Quickshot II“ bei heise Online (den ich recht spät erst durch einen Link in einem anderen Retro-lastigen Artikel gesehen hatte) Wirklich korrekt an diesem Artikel ist quasi nur: ja, es gibt ein Remake des Quickshot II, und er wird per USB angeschlossen. Alles andere ist mindestens in Details falsch oder unvollständig.

Aber gehen wir im Einzelnen durch. „Der Schnellfeuer-Schalter – beim Original ein zentrales Verkaufsargument – wurde ebenfalls übernommen“ – neben der Tatsache, dass die Funktion damals „Autofeuer“ oder „Dauerfeuer“ hieß, aber niemals „Schnellfeuer“, war es auch niemals ein zentrales Verkaufsargument, sondern bestenfalls selten genutztes aber gern genommenes Extra-Feature. Vor allem deswegen, weil es verdammt wenige Spiele gab, bei denen diese Funktion überhaupt nützlich war. Und zusätzlich auch noch, weil die Funktion gar nicht an allen Home-Computern dieser Zeit problemlos funktioniert hat, die Freunde des Schneider/Amstrad CPC blieben beispielsweise außen vor wegen der fehlenden Stromversorgung des Joystick-Ports. Und die Funktion war auch keineswegs Alleinstellungsmerkmal des Quickshot II – selbst der typische Kaufhaus-No-Name-Stick (wer erinnert sich noch an „Elite“, die Hausmarke vom Kaufhof…) konnte damit auftrumpfen. Und es gab natürlich zahlreiche Bauanleitungen in diversen Fachmagazinen dieser Zeit, um die Funktion beim eigenen Lieblingsjoystick nachzurüsten.

„Der ursprüngliche Quickshot kam Anfang der 1980er-Jahre auf den Markt und wurde schnell zu einem der meistverbreiteten Joysticks seiner Zeit.“ Hier wären historische Details nützlich. Der erste Quickshot, später Quickshot I genannt, kam 1982 auf den Markt und verkaufte sich hauptsächlich über seinen unglaublich günstigen Preis – gegenüber beispielsweise den Original-Sticks von Atari oder Commodore war es ein echter Preisbrecher, aber er war auch unglaublich schlecht haltbar, da er über die klassischen „Knackfrösche“ als Schalter verfügte – kleine gebogene Metallplättchen, die den Kontakt mit der Leiterplatte per „Plattdrücken“ herstellten. Nicht sehr langlebig. Da brauchte es nicht mal die klassischen „Rüttelspiele“ wie Decathlon oder Combat School für den schnellen Joysticktod. Der hier relevante Quickshot II erschien 1983 und war dann tatsächlich das Erfolgsmodell von Spectravideo – langlebiger dank Metallzungen, die man einfach reparieren konnte durch „zurückbiegen“, besserer Griff, besser platzierte Feuerknöpfe. Aber immer noch ein Plastikbomber, der beim hektischen Zocken gerne mal Totalschaden erlitt. Dafür aber nach wie vor sehr preiswert.

„Entwickelt wurde er ursprünglich von Spectravideo – einem Hersteller, der sich auf Zubehör für Heimcomputer wie den Commodore 64, ZX Spectrum oder Amstrad CPC spezialisierte.“ Dieser Satz unterschlägt völlig die Rolle von Spectravideo als Hersteller von MSX-kompatiblen Heimcomputern sowie frühen Vorläufern wie dem SV-318, der angeblich die Blaupause für den MSX-Standard war und schon von Microsoft mit BASIC-Interpreter und OS versorgt wurde. Vor allem der legendäre SVI-728 und dessen Nachfolger SVI-738 dürfte bei MSX-Fans im Gedächtnis geblieben sein. Zudem war Spectravideo früh schon Hersteller und Vertreiber von Spielen für Konsolen wie Atari VCS, Colecovision und der ersten Generation Heimcomputern wie dem Commodore VC-20. Nebenbei: besonders der CPC war ein schwieriges Feld für die Quickshots, erst der späte Quickshot II Turbo war wirklich CPC-tauglich. Und da Spectravideo eine amerikanische Firma war, waren die Heimcomputer von Amstrad auch nicht spezieller Fokus.

„Der Quickshot II war nicht nur aufgrund seines auffälligen Designs bekannt, sondern auch wegen der damals seltenen Autofeuer-Funktion, die besonders bei Arcade-Titeln von Vorteil war.“ Weder war das Design besonders auffällig – schwarze Basis, Saugnäpfe, Dauerfeuer, rote Feuerknöpfe waren damals eher gängig – noch war, wie oben schon beschrieben, die Dauerfeuerfunktion besonders nützlich. Wahrscheinlich ist hier mit „Acrade-Titel“ das klassische Ballerspiel gemeint, was aber den „Arcade“-Begriff doch sehr eng – um nicht zu sagen: völlig falsch – auslegt. Ich nenne stellvertretend mal „Pac-Man“ und „Donkey Kong“ als zwei allseits bekannte Vertreter, bei denen eine Dauerfeuerfunktion kein Stück hilfreich war. Selbst beim Shooter-Klassiker „Space Invaders“ war Dauerfeuer nicht das richtige Rezept.

„Sein Griff erinnerte an einen Flugzeugsteuerknüppel, was ihn in Kombination mit dem charakteristischen Klickgeräusch der Mikroschalter zu einem unverwechselbaren Stück Gaming-Hardware machte.“ Heilige Timeline-Verwirrung, Batman! Flugzeugsteuerknüppel – welch historischer Fehlgriff hier. Das erste Flugzeug mit Sidestick-Steuerung, die man wohl am ehesten mit einem Joystick vergleichen könnte, war der Airbus A320 mit Erstflug 1987, davor war Steuerhorn angesagt. Die Zeitgenossen 1983 beschrieben deshalb folgerichtig das Quickshot II-Design als „Pistolengriff“. Und das charakteristische Klickgeräusch der Mikroschalter gab es damals erst recht nicht – wie oben beschrieben waren Metallzungen im Quickshot II zugange, erst das später erschienene Modell „Quickshot II Plus“ und vor allem das m.E. beste Quickshot-Modell „II Turbo“ waren mit Mikroschaltern ausgestattet, vermutlich als Reaktion auf den überragenden Erfolg von Competition Pro und Konix Speedking, nicht zuletzt aufgrund ihrer besseren Haltbarkeit und besserer Präzision vor allem in der Diagonalen.

So, jetzt weiß jeder Bescheid, die KI hat wieder Futter zum Lernen der korrekten historischen Fakten und Zusammenhänge. Und heise Online sollte sich noch eine Weile in die Ecke stellen und schämen, ein solches Machwerk zu verbrechen. Wehmütig erinnere ich mich an damalige Fachzeitschriften wie die Happy Computer, in der ich glaube ich folgendes sinngemäß über den Quickshot II lesen durfte: „Der perfekten Positionierung der beiden Feuerknöpfe sind zahllose angreifende Aliens zum Opfer gefallen.“ Das war eben noch echter Journalismus.